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Ursprung des Karate-Do


 
In sämtlichen Kulturkreisen der Erde gab es wohl zu allen Zeiten irgendeine Art des Kämpfens, auch ohne Waffen. Westliche Kampfformen, wie z.B. das griechische oder römische Ringen und Boxen waren grausam, wiesen jedoch kaum Ähnlichkeiten mit den Kampfkünsten des Ostens auf.

Kampfkünste beinhalten neben dem körperlichen auch einen geistigen Aspekt. In China kennt man ein altes Sprichwort: " Alle Kampfkünste unter der Sonne begannen im Shaolin-Kloster." Zweifellos spielte das Shaolin-Kloster (erbaut etwa 477 n. Chr.) in der Entwicklung der Kampfkünste eine besondere Rolle, doch es ist übertrieben, zu sagen, dass es der Entstehungsort aller Kampfkünste war. Obwohl schriftliche Quellen
über die Geschichte der Kampfkünste sehr bruchstückhaft sind, gehen Experten davon aus, dass aufgrund der langen Geschichte des kulturellen Austausches zwischen China und Indien, es in diesen Kulturen seit frühester Zeit ein gemeinsames Wissen im Bereich der Kampfkünste gegeben hat. So kam es dazu, dass etwa im Jahre 523 n. Chr. ein Pilgermönch das Shaolin-Kloster in China erreichte. Dies war der aus Südindien stammende Bodhidharma (wörtlich: Durch die Lehre Erleuchteter). Bodhidharma besaß vielseitige Talente und lehrte im Shaolin-Kloster eine neuere Form des Buddhismus, das indische "Dhyana" (chin.: Chan, Jap.: Zen genannt). Neben den Meditationspraktiken des Zazen (Meditation im Sitzen) und einigen Zen-Atmungsmethoden, lehrte er auch die indische Kampfkunst Vajramushti, die sich mit den im Shaolin schon vor seiner Ankunft bestehenden taoistischen Kampfkunstsystemen ergänzten.

Im Shaolin war es wohl Bodhidharmas Verdienst, dass das Hauptziel beim Studium der Kampfkünste nicht der Sieg über einen Gegner, sondern der Sieg über sich selbst, die Überwindung der eigenen Schwächen und Mängel war. Die Schule der Kampfkunst wurde zu einer Schule des Lebens. Das Geheimnis für den Erfolg der Mönche von Shaolin im Kampf lag offensichtlich darin, dass sie Körper und Geist als Einheit betrachteten, was absolute Wirksamkeit im Kampf hervorbrachte (und ihnen Weltruhm einbrachte). Die im Shaolin Kloster entwickelten Kampfstile verbreiteten sich über Nebenklöster in Asien weiter und beeinflussten auch die Systeme der umliegenden Länder.
Entstehung des Karate auf Okinawa
Auf der Insel Okinawa ( südlich von Japan gelegen ), so besagen mündliche Überlieferungen, wurden Anfang des 14. Jahrhunderts karateähnliche Selbstverteidigungsformen geübt, die als Todes bezeichnet wurden. Dies waren aus China eingeführte Techniken, die sich allmählich mit denen auf Okinawa schon bekannten Methoden vermischten, aber fast noch keine Beziehung zu den traditionellen Inhalten der Kampfkünste hatten. Es dauerte Jahrhunderte, bis die innere Lehre in Okinawa zu wachsen begann. Sicher wurde sie von den chinesischen Experten auf Okinawa und von den Okinawanern, die in China studierten, beeinflusst, doch sie wuchs in einer starken Verbindung zur Okinawanischen Kultur und Denkweise. De oder Te bedeutete in chinesischer und okinawanischer Sprache Technik (aber auf Japanisch: Hand) Tode (in japanisch: Karate ) ist also die Technik des Tang (China: Hand).

Viele Geschichtsforscher sehen den Anlass zur weiteren Entwicklung und Perfektionierung des Tode (später auch Okinawa-te genannt) in einem von König Sho Shin 1479 erlassenen Waffenverbot, das 1609 von japanischen Eroberern erneuert wurde. Tode entwickelte tödlich effektive Methoden, die gegen die japanischen Unterdrücker angewendet wurden und schob vorerst die philosophischen Inhalte der Kampfkünste in den Hintergrund. Dies war auch die Zeit, in der die Handhabung verschiedener landwirtschaftlicher Geräte (auf Okinawa) zum Kampf entwickelt wurden, was zur Entstehung des okinawanischen Kobudo führte. Durch viele kämpferische Begegnungen zwischen Samurais und Meistern des Tode, die oft mit dem Tode des Samurai endeten, wusste man um die ungeheute Wirkung dieser Kunst.
Karate kommt nach Japan
Im Alter von 53 Jahren war es Meister Gichin Funakoshi – einer der größten Meister des Karate, die es je gab – der als erster das Karate 1922 nach Japan brachte und mit sehr großem Erfolg, Karate im Sinne des Do (geistiger Weg) verbreitete. Es folgten bald noch weitere Karate-Meister von Okinawa nach Japan. Sie fanden ein Land vor, das ganz von nationalistischer Überheblichkeit erfüllt und ganz besonders gegen die Chinesen eingestellt war. In dieser Zeit kontrollierten mächtige, politisch abhängige Organisationen fast das gesamte Kampfkunstgeschehen in Japan. Sie konnten auf keinen Fall eine Kampfkunst, die China-Hand hieß, akzeptieren – galt China doch als ärgster Feind Japans.

So kam es zu jenen strengen Auflagen, die schließlich zu den vielen Veränderungen des Karate in Japan führten – nämlich die Übernahme des Graduierungssystems aus den altjapanischen Kampfsystemen (vorher gab es im Karate keinerlei Graduierungen), sowie das Üben im Karate-Gi (Karate-Anzug), die Veränderung des Schriftzeichens für Karate und vor allem die Entwicklung des Karate zu einem Wettkampfsport. Danach wurde Karate zur rein japanischen Kampfkunst erklärt. Meister Funakoshi war, wie viele andere okinawanische Meister, sehr besorgt um die Zukunft der alten Kunst. Er wusste, dass diese durch Abweichungen zum Wettkampfsport, ihre inhaltlichen Werte verlieren würden und verbot aufs Strengste die Ausübung des Karate-Do als Wettkampf, weil dadurch das Gegenteil zu dem erreicht wird, was die Übung der Karate-Kunst bezweckt – die Überwindung des Ego.

Meister Funakoshi sah in seinem Karate-Do ein Erziehungsmittel und einen Weg zur inneren Harmonie. Viele seiner eigenen japanischen Schüler verrieten später diese Richtung und wichen von seiner Lehre ab, um sportliche Verbände zu gründen. Durch die Gründung dieser Wettbewerbsorganisationen in Japan in den 50er Jahren, begann auch die weltweite Verbreitung des Karate als Sport. Es gibt erhebliche Unterschiede in den Trainingsmethoden der alten Kampfkunst zum heutigen Wettkampf-Karate. Während beim Wettkampf-Karate das Training der Techniken darauf ausgerichtet ist, Punkte im Wettkampf zu sammeln, betont das traditionelle Karate die Wirkung der Technik, den Körper abzuhärten oder die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und die körperliche und geistige Vervollkommnung des Ichs.

Diese Zielsetzung macht Karate als Do – als Lebensweg also – auch heute noch aus. Nicht der Sieg oder Wettkampferfolg sind entscheidend, sondern die Meisterung des eigenen Ichs. Der große Meister Gichin Funakoshi hat immer wieder betont, dass die Hinführung zu einem erhabenen Geist und zu einer Haltung der Demut, das eigentliche und tiefere Ziel dieser Kampfkunst sei. Sehr oft ist heute die Selbstvervollkommnung dem Geist der Selbstbestätigung gewichen.
 
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